aus dem tagebuch eines alten bikers 22
es wird wieder mal an der zeit, etwas mit den gängigen bikerklischees abzurechnen…
und welche klischees sollen diesmal auf die schippe genommen werden? na, da gibt es einige, die es auf jeden fall wert sind, durch den kakao gezogen zu werden, oder?
wir biker sind selbstfahrende organspender: nun, wer macht uns denn zu selbstfahrenden organspendern? da sind unter anderem mal die ganzen dosentreiber, die nix anderes zu tun haben, so scheint es jedenfalls, als uns biker zu jagen und wenn möglich gleich auf einem schlag mit der entsorgung ihres bürgerkäfigs gleich mit zu entsorgen… einbiegen ohne zu schauen oder gar zu blinken, spurwechsel ohne rücksicht auf verluste, kippen wegen eines vollen aschenbechers direkt aus dem fenster entsorgen, telefonieren und rauchen und fahren in einem, sonst noch ein paar beispiele? man denke da nur an den derzeit so beliebten kreisverkehr… dazu helfen auch noch die verkehrsplaner, sofern man diese so nennen kann, den plan haben die nicht wirklich viel, mit ihren straßenführungen, diversen regelungen und bodenmarkierungen (hat sich wirklich noch nie wer im regen über die äußerst sinnvollen geradeaus-pfeile auf den autobahnen geärgert???) sowie begonnene und nie mehr beendete fahrbahnsanierungen mit ihren fräskanten und oberflächenanfräsungen in längsrichtung, ein wahres fest für einen biker!
wir biker sind böse menschen: na, woher das wohl kommen mag? die besteuerung unserer bikes entbehrt jeder verständlichen grundlage, warum müssen wir mit hubraumstarken, aber ps-schwachen bikes viel mehr steuern zahlen als die rennsemmeln mit grad mal 600 kubik, aber weit über 100 ps starken asphaltfräsen? der spritverbrauch ist ja annähernd der selbe… (ja, meine 1500’er braucht gleich wenig oder gleich viel wie eine 600’er gixxe im alltag, teilweise sogar deutlich weniger!), dazu kommt noch, daß ein motorrad im alltag mindestens zu 50% ausgelastet, ein pkw jedoch mit maximal 25%, in der regel aber nur 20% ausgelastet ist, aber mehr als die doppelte stellfläche braucht! und im normalfall behandeln uns autofahrer wie schwerverbrecher, hingegen benehmen wir biker uns in der regel autofahrern gegenüber eher wie anderen gleichberechtigten straßenbenützern! oder kennt ihr einen biker, der einem autofahrer eine kippe ins auto geworfen hat? hingegen erleben wir biker sicher öfter, daß uns autofahrer mit ihren kippen beinahe ins grün (oder grau) befördern… oder mit ihren scheibenwaschanlagen, weil das ja soooo schön in den augen brennt, was ein einziger blick in den rückspiegel verhindern hätte können…
wir biker kennen keine regeln: ach? nicht? und wieso gibt es bei reinen motorradausfahrten weniger probleme der biker untereinander als wenn sich autofahrer zu einer gemeinsamen ausfahrt treffen? oder bikergruppen und autogruppen auf einander treffen? weil wir keine regeln haben? und warum gibt es weniger rennleitungseinsätze bei der faaker bikeweek als beim gti-treffen in reifnitz? komisch… doch irgendwie kommt mir grad der spruch “solange ihr nicht unser leben achtet, achten wir nizcht eure regeln” in den sinn… es lebe die anarchie!
wir biker sind unsozial: klar, weil so events wie die toy-run keine bikerveranstaltungen sind… und wir biker ja nichts für andere tun würden, nein, nie im leben… die ganzen bikercharities sind allesamt ammenmärchen… nur eine gegenfrage: wer kennt einen politiker oder autofahrer, der mal anstelle zu quatschen wirklich einen finger für andere gerührt hätte? ich kenne keinen…
wir biker sind schläger und rocker: okay, wir hören gerne rockmusik (und einige auch deutsche schlager, volksdümmliche musik oder gar klassik…), aber deswegen sind wir keine rocker! rocker sind musiker, die vorwiegend rockmusik produzieren… und in diesem sinne muß ich zugeben, daß meine einzige musikalische begabung darin besteht, daß ich unfallfrei eine cd wechseln kann, mehr nicht! und zum punkt “schläger” oute ich mich jetzt wirklich als schläger, sogar totschläger! ich erschlage vorzugsweise stechmücken… und die scheibe meines bikes und meines helms hat immer wieder ähnlichkeit mit dem wiener zentralfriedhof, eine leiche neben der anderen… und so gesehen sind auch pensionisten, beamte und sonstige nicht mehr minderjährige zentraleuropäer ebenfalls als schläger einzustufen, oder?
wir biker sind gesetzlose, arbeitslose und hirnlose männer in der midlifecrisis: klar, deswegen sind einige von uns rechtsanwälte, zahnärzte, lkw-fahrer, techniker, hausmeister und bauarbeiter… und verbringen die freizeit auf motorrädern… ja, ne, is klar… sag das mal einer den pozilisten unter uns! vor allem, wenn die blue knights ein treffen haben…
wir biker sind generell raser: ja, ne, is klar… aber kann es unter umständen auch daran liegen, daß die geschwindigkeitsbeschränkungen ergebnisse hirnloser autoraser, die ihre büchsen liebevoll um bäume gewickelt und dabei den löffel abgegeben haben? und abgesehen davon, es gibt ja unter den autofahrern keine raser, sind ja alles biker inkognito… logisch, oder? und könnte es sein, daß die biker, die beim rasen erwischt werden, autofahrer im adrenalin- und geschwindigkeitsrausch sind? nein? hm… aber ich weigere mich, mich als raser zu outen, es sei denn, 110 auf der bahn und 80 bis 90 auf der landstraße ist raserei…
wir biker… öööhhh… so, im moment fallen mir keine klischees mehr ein… aber wurscht (mist, das lieblingswort…), ich komm’ wieder! keine frage, heut ist nicht’s ende aller tage…
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