aus dem tagebuch eines alten bikers 38
schon wieder schnee… und ich vollkoffer seh’ mir am wochenende noch die touren-fotos und -videos vom vorjahr an… irgendwie wirkt das ganze ende jänner beinahe pervers, zumindest ein dezenter anflug von galgenhumor ist sicher vorhanden, oder masochismus… irgendwas davon ist es sicher! aber gott sei dank ist die garage nicht nebenan, sonst würde ich vermutlich schon seit ein paar wochen nur mehr auf dem bike sitzen und am gasgriff drehen, wie ein irrer… bis dann irgendwann mal jemand die pozilei und den onkel doktor mit der großen spritze holt…
ich kann es drehen und wenden wie ich will, langsam, aber sicher stellen sich entzugserscheinungen ein! aber nicht nur bei mir, auch bei meiner frau… der winter dauert zwar nicht länger als sonst, ist auch nicht anders als sonst, aber mit den jahren geht er uns eben immer mehr auf den nerv!
und meine entscheidung, mit den öffis den weg zur und von der arbeit anzutreten, die erweist sich auch nur in finanzieller hinsicht als praktikabel, in jeder anderen hinsicht entwickelt es sich immer mehr zu einer mittelschweren katastrophe…
warum? die züge haben immer öfter verspätung, je nach wetterlage mal mehr, mal weniger, aber nicht einmal in verläßlicher und bestimmbarer weise konstante verspätungen. dazu dann noch der zustand des fahrgastraumes und das sehr rücksichtsvolle verhalten der mitfahrenden, dann natürlich auch die busse, die manchmal so richtige balkan-tours-atmosphäre hervor bringen… alles in allem, es trägt nicht zur verbesserung der gesamtsituation bei, sondern eher das gegenteil!
irgendwann habe ich mal ein dezentes rechenbeispiel gemacht, wie es sich vom zeitverhältnis her verhält. aber wehe, man bekommt einmal die möglichkeit, den üblichen zeitrahmen zu verlassen, indem man z.b. mal zwei stunden früher den rechner niederfährt und das büro verläßt, dann sieht man erst die wahre flexibilität des modernen öpnv! anstelle der gewohnten anderthalb stunden für die “heimreise” benötigt man plötzlich über zwei stunden! die gründe sind recht einfach zusammen gefasst: technische probleme und unvorhergesehene verspätungen…
und als “zuckerguß” bekommt man dann noch lokführer, die unterwegs eine haltestation “übersehen” und die zuggarnitur zu spät bremsen und dann rückwärts in den bahnhof einfahren… danach als draufgabe eine buslenkerin, die auf grund digitaler fahrtechnik vollgas oder vollbremsung, mit dem bus ins rutschen kommt…
herz, was willst du mehr? adrenalinjunkies werden voll bedient, normalsterbliche oder drogenresistente sind danach auch bedient, aber alles ohne gewünschte nebeneffekte wie adrenalinüberschuß und unkontrollierte endorphinausschüttung… jaja, endorphine, man sollte sie ebenfalls zu den vom aussterben bedrohten tierarten zählen… die großen grauen, eleganten endorphine, wenn man dem ö3-microman und den dazugehörigen passantenaussagen trauen darf…
und da wundert sich noch einer, daß ein durchgeknallter, exzessiver biker den absoluten winterkoller bekommt? früher hat man dazu auch “lagerkoller” gesagt… und heute schüttelt mancher einer den kopf, greift sich auf die stirn und sagt nur ganz lapidar: so a spinnerter hund…
daß aber auch mit “vernuft-argumenten” gearbeitet werden kann, will sich weder jemand vorstellen noch rechnet man damit! dabei, logisch betrachtet, hat ein motorrad in der heutigen zeit nämlich durchaus seine berechtigung und bietet entgegen der landläufigen meinung auch recht schnell einen gewaltigen sicherheitsvorsprung: man braucht, wenn man die im regelfall definitv intelligenzallergischen “straßenk(r)ämpfer” so im alltag beobachtet, in einer notsituation definitiv weniger platz und hat damit eben mehr davon zur eigenrettung zur verfügung! und wenn man sich’s nun in einem gewissen rahmen auch noch finanziell, also nach österreichischem finanzierungsmodell für eurofighter und politikergehälter ausrechnet, dann bekommt z.b. eine kleine 250’er, die an fixkosten gut 130€ im jahr incl. steuern und einem spritverbrauch von 3 bis 4l/100km und servicekosten von 30€ im monat im vergleich zu einer monatskarte mit 54€ und der deutlich längeren fahrzeit für 40km auch noch einen finanziellen aspekt dazu! vor allem, wenn man bedenkt, was politiker in der freien wirtschaft für schaden anrichten würden…
tja, und nun? eine mehl-schwemme und eine petition sowie eine volksbefragung und danach noch eine volksabstimmung GEGEN den winter wären meiner meinung nach schon mal ein ansatz! dann eine biker-lobby in der politik, die auch schneefall noch unter strafandrohung stellt und eine justizministerin, die das ganze auch noch exekutiert…
und meine winter-depp-ression wäre ein für allemal geschichte…
so aber gibt’s halt immer neue schnee-moser-winter-frust-geschichten…
einer muß ja den anfang machen…
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